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Mental Load und das Nervensystem

  • Autorenbild: Svenja
    Svenja
  • vor 6 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Warum dauerhafte mentale Verantwortung zu chronischem Stress führt


Mental Load wird häufig als organisatorische Überforderung beschrieben – zu viele Aufgaben, zu viele Termine, zu viel Verantwortung. Was dabei oft übersehen wird: Mental Load wirkt nicht nur im Außen, sondern tief im Körper. Vor allem im Nervensystem.


Heilpraktikerinnen für Psychotherapie: Giulia Beinlich & Svenja Brandt · Barsinghausen und Garbsen bei Hannover

Neurobiologisch betrachtet entsteht Mental Load dort, wo Verantwortung nicht endet. Wo Menschen nicht nur handeln, sondern dauerhaft mitdenken, vorausplanen, absichern, emotional regulieren und innerlich verfügbar bleiben müssen. Das Nervensystem unterscheidet dabei nicht zwischen tatsächlicher Handlung und gedanklicher Dauerzuständigkeit. Beides wird als Anforderung verarbeitet. Und genau hier beginnt chronischer Stress.


Mental Load ist mehr als Organisation – warum permanentes Denken belastet


Mental Load bedeutet, innerlich ständig „online“ zu sein. Auch dann, wenn gerade nichts aktiv erledigt wird. Gedanken laufen weiter, Zuständigkeiten bleiben offen, Verantwortung ist nicht abgeschlossen.

Für das Nervensystem fehlt dadurch ein klares Signal von Entlastung. Es gibt keinen eindeutigen Übergang zwischen Aktivität und Ruhe. Genau das unterscheidet Mental Load von kurzfristigem Stress – und macht ihn so erschöpfend.


Stress aus evolutionärer Sicht – warum das Nervensystem Entlastung braucht


Aus evolutionärer Perspektive ist Stress ein akuter Zustand. Er dient dem Überleben. Bei Gefahr wird der Körper aktiviert, Energie wird mobilisiert, Aufmerksamkeit gebündelt. Entscheidend ist jedoch: Nach der Aktivierung folgt Sicherheit.


Dieses Wechselspiel aus Anspannung und Entspannung ist biologisch vorgesehen. Es setzt voraus, dass Belastung endet, Verantwortung geteilt wird und Rückzug möglich ist. In frühen Gemeinschaften bedeutete Sicherheit auch, dass andere übernahmen, dass Zuständigkeiten wechselten.


Mental Load durchbricht genau diesen Mechanismus. Verantwortung endet nicht. Gedankliche Wachsamkeit wird zum Dauerzustand. Das Nervensystem erhält keine klare Entwarnung – und bleibt aktiv.


Heilpraktikerinnen für Psychotherapie: Giulia Beinlich & Svenja Brandt · Barsinghausen und Garbsen bei Hannover

Mental Load im Beruf – wenn Verantwortung keinen Feierabend kennt


Mental Load zeigt sich nicht nur im privaten Alltag, sondern sehr deutlich auch im beruflichen Kontext. Stellenbeschreibungen sind häufig klar umrissen, werden im Arbeitsalltag jedoch durch implizite Erwartungen erweitert. Mitdenken, Verantwortung übernehmen und erreichbar sein gelten als selbstverständlich.

Problematisch wird es dort, wo Verantwortung nicht strukturell abgesichert ist. Wenn es keine geregelte Urlaubsvertretung gibt. Wenn Aufgaben „mitlaufen“. Wenn selbst bewusst gesetzte Stillarbeitszeiten hinterfragt werden. Auch hier gilt: Das Nervensystem kann nicht abschalten, wenn Zuständigkeit nicht endet. Mentale Präsenz ersetzt körperliche Anwesenheit. Ein echter Offline-Modus existiert nicht.


Viele Menschen erleben Mental Load nicht isoliert, sondern eingebettet in gesellschaftliche Rollenbilder und Erwartungen. In einem weiteren Artikel gehen wir genauer darauf ein, warum insbesondere Frauen von Mental Load betroffen sind und weshalb diese Überlastung kein individuelles Scheitern ist:

Hier geht es zum Artikel:


Dauerstress im Nervensystem – was Adrenalin und Cortisol bewirken


Bei anhaltendem Mental Load bleibt das sympathische Nervensystem dauerhaft aktiviert. In der Folge werden Stresshormone wie Adrenalin und insbesondere Cortisol vermehrt ausgeschüttet.


Cortisol ist ein lebenswichtiges Steroidhormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird und eine zentrale Rolle in der Stressregulation spielt. In akuten Stresssituationen erfüllt es eine sinnvolle Schutzfunktion: Es steigert die körperliche Leistungsfähigkeit, erhöht den Blutzuckerspiegel und stellt Energie für Gehirn und Muskulatur bereit. Gleichzeitig reguliert Cortisol den Stoffwechsel, wirkt entzündungshemmend und beeinflusst Blutdruck sowie Schlaf-Wach-Rhythmus.


Problematisch wird Cortisol nicht durch seine Existenz, sondern durch Dauer. Bei chronischem Mental Load bleibt der Cortisolspiegel über längere Zeit erhöht, ohne dass es zu echten Entlastungsphasen kommt. Der Körper verharrt im Alarmmodus. Schlaf wird flacher, Regeneration bleibt aus, Verdauung und Immunsystem geraten aus dem Gleichgewicht. Viele Betroffene erleben deshalb eine Kombination aus ständiger Müdigkeit und innerer Unruhe.


Heilpraktikerinnen für Psychotherapie: Giulia Beinlich & Svenja Brandt · Barsinghausen und Garbsen bei Hannover

Was im Gehirn bei Mental Load passiert – Fokus, Kontrolle und Reizverarbeitung


Chronischer Stress verändert die Arbeitsweise des Gehirns. Der präfrontale Cortex, zuständig für Planung, Überblick und Impulskontrolle, arbeitet unter Dauerstress weniger effizient. Gleichzeitig wird die Amygdala, das Zentrum für Gefahrenbewertung, sensibler.


Die Folge sind Grübelschleifen, erhöhte Reizbarkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit. Nicht, weil Menschen schlechter funktionieren, sondern weil das Gehirn auf Dauergefahr eingestellt ist und kurzfristige Reaktion priorisiert.


Dopamin und Multitasking – warum schnelle Reize langfristige Motivation ersetzen


In einem dauerhaft aktivierten Nervensystem gewinnen kurzfristige Reize an Bedeutung. Dopamin wird vor allem bei neuen, schnellen und wechselnden Impulsen ausgeschüttet. Push-Nachrichten, Mails, Social Media, kurze Videos und permanentes Multitasking liefern diese Reize zuverlässig.


Das Gehirn lernt, ständig zwischen Anforderungen zu wechseln. Multitasking wird zur Gewohnheit – und zur Belastung. Tiefe Konzentration, Lesen, Bewegung oder Sport verlieren an Attraktivität, weil sie weniger unmittelbare Dopaminimpulse liefern. Nachhaltige Motivation wird zunehmend durch kurzfristige Ablenkung ersetzt.


Serotonin und emotionale Stabilität – wie Dauerstress die Stimmung beeinflusst


Serotonin spielt eine zentrale Rolle für emotionale Stabilität und innere Ausgeglichenheit. Chronischer Stress, Schlafmangel und dauerhafte mentale Überforderung können die Serotoninverfügbarkeit beeinträchtigen. Die Folge können Stimmungseinbrüche, innere Leere oder Freudeverlust sein – ohne dass zwingend eine depressive Erkrankung vorliegt.


Oxytocin und Bindung – warum Nähe unter Mental Load leidet


Oxytocin ist entscheidend für Bindung, Sicherheit und soziale Verbundenheit. Es wird durch Nähe, Vertrauen, Körperkontakt und echte Beziehungserfahrungen ausgeschüttet. Daueranspannung und hoher Mental Load reduzieren genau diese Erfahrungen.


Auch wenn Menschen nicht physisch allein sind – im Büro, in Partnerschaften oder Familien – kann emotionale Isolation entstehen. Das Nervensystem priorisiert Überleben. Bindung, Intimität und Sexualität rücken in den Hintergrund.


Heilpraktikerinnen für Psychotherapie: Giulia Beinlich & Svenja Brandt · Barsinghausen und Garbsen bei Hannover

Wenn der Körper zurückschaltet – Verdauung, Lust und Hunger unter Stress


Unter Stress stellt der Körper Funktionen zurück, die nicht unmittelbar überlebensnotwendig sind. Verdauung, Hungergefühl, sexuelle Lust und Genuss verlieren an Priorität. Manche Menschen verlieren unter Dauerstress den Appetit, andere kompensieren über Essen, Zucker oder andere kurzfristige Entlastungsmechanismen. Auch das ist keine Schwäche, sondern eine physiologische Anpassung.


Mental Load verstehen heißt das Nervensystem ernst nehmen


All diese Prozesse zeigen: Das Nervensystem ist nicht kaputt. Es reagiert sinnvoll auf eine Situation, in der Verantwortung nicht endet und Sicherheit fehlt. Mental Load ist kein individuelles Versagen, sondern eine körperliche Antwort auf strukturelle Dauerbelastung.


Unser kostenloses Workbook zum Thema Mental Load für dich


Vielleicht hast du dich beim Lesen an der ein oder anderen Stelle wiedererkannt. Mental Load zeigt sich oft leise – und wird genau deshalb so lange übersehen.


Wenn du für dich einordnen möchtest, ob und wie sehr Mental Load in deinem Alltag eine Rolle spielt, stellen wir dir ein kostenloses Workbook zur Verfügung.


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