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Von Vorurteilen und Offenheit

Wertschätzung und Anerkennung sind wichtige Faktoren für uns. Wir möchten geschätzt werden, für das, was wir tun und wertgeschätzt werden als Frau oder Mann, Freund und Freundin, Sohn oder Tochter und natürlich auch in unserem Job. Was passiert, wenn uns dies vorenthalten wird beziehungsweise wir es im Außen nicht erhalten? Wir fühlen uns zumeist abgelehnt und wertlos. Wir beginnen an uns zu zweifeln. Doch geben wir nicht auch anderen Menschen häufig das Gefühl von fehlender Wertschätzung und sind von Vorurteilen behaftet?


Nichtsnutz und Taugenichts


Wir sind besonders schnell darin, uns ein Urteil über Andere zu erlauben. Jemand, der in seiner Jugend oder Sturm- und Drangphase viel Mist gebaut und andere Menschen möglicherweise vor den Kopf gestoßen hat, erhält einen Stempel. In den meisten Fällen ist es schwer, diesen Stempel wieder loszuwerden. Immer und immer wieder wird sich das Maul darüber zerrissen, was nun schon wieder geschehen ist und dass dies nicht anders zu erwarten war.


Bei einer anderen Person wäre es möglichweise gar nicht so schlimm, doch wir greifen auf alte Erfahrungswerte zurück und lassen uns ungern vom Gegenteil überzeugen. Nehmen wir dem sogenannten Nichtsnutz und Taugenichts damit nicht die Chance, uns von seinen Qualitäten zu überzeugen?


Im Job kann es ebenfalls so sein. Gerede über Gerede, wobei die Wahrheit nicht im Fokus steht. Ein subjektiver Meinungsaustausch entsteht. Ist dieser jemand denn wirklich so, wie geredet wird?


Der wahre Wert des Ringes


Ich habe in jüngster Vergangenheit eine kleine Geschichte von Jorge Bucay gelesen, welche vom wahren Wert des Rings erzählt. Dieser Impuls hat mich sehr berührt und ich möchte diesen mit euch teilen.


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**** Auszug****


<<Ein junger Mann ersucht einen Weisen um Hilfe. Jeder sagt über ihn, er sei ein Nichtsnutz und alles was er anstelle, mache er falsch. Er fragt den weisen Mann, wie er ein besserer Mensch werden und was er tun könne, um die Menschen zu einer höheren Meinung von ihm zu bewegen.


Ohne den jungen Mann anzusehen, sagt der Weise: „Es tut mir sehr leid mein Junge, aber ich kann dir nicht helfen, da ich zuerst mein eigenes Problem lösen muss. Vielleicht danach …“


Nach einer kurzen Pause fährt er fort: „Wenn du zuerst mir helfen würdest, könnte ich meine Sache schneller zu Ende bringen und mich im Anschluss um dein Problem kümmern.“


Der junge Mann stimmte zu, obgleich er sich wieder einmal zurückgesetzt fühlte. Der Weise strich seinen Ring von kleinen Finger der linken Hand und gab ihn dem Jungen: „Reite zum Markt und verkauf diesen Ring, denn ich habe eine Schuld zu begleichen. Du musst unbedingt den bestmöglichen Preis erzielen und verkaufe ihn keinesfalls für weniger als ein Goldstück.“ So machte sich der junge Mann auf den Weg und suchte nach einem Käufer für den Ring. Er pries den Ring den Händlern sogleich an und einige musterten den Ring mit Interesse, bis der Junge den Preis verlangte. Sie lachten über ihn oder wandten sich gleich ab.


Ein einziger alter Mann war so höflich, ihm zu erklären, dass ein Goldstück ein viel zu hoher Preis für den Ring war. Er bot ihm entgegenkommend ein Silberstück und einen Kupferbecher an, doch der Junge lehnte ab und hielt sich an die Anweisung des Weisen.


Nachdem er den Ring nun mehr als hundert Marktbesuchern angeboten hatte und alle abgelehnt hatten, stieg er niedergeschlagen und traurig auf sein Pferd und machte sich auf den Rückweg zu dem weisen Mann.


Wie sehr wünschte er sich, ein Goldstück zu besitzen, damit er dieses dem weisen Mann geben konnte und dieser damit seine Schuld begleichen und ihm anschließend mit seinem Rat zur Seite stehen konnte. Im Hause des Weisen angekommen rief er: „Meister, dass was du mir aufgetragen hast, kann ich nicht leisten. Ich hätte vielleicht zwei oder drei Silberstücke bekommen können, doch über den wahren Wert des Ringes war es mir nicht möglich hinwegzutäuschen.“


„Was du da sagst, ist sehr richtig, junger Freund. Wir müssen erst den wahren Wert des Ringes in Erfahrung bringen. Steig wieder auf dein Pferd und lasse den Ring beim Schmuckhändler schätzen. Wer könnte den Wert wohl besser einschätzen als er? Sag ihm, dass du den Ring verkaufen möchtest und frage ihn, was er dir dafür bereit ist zu geben. Aber was auch immer er dir für den Ring bietet, du wirst ihn nicht verkaufen. Kehr mit dem Ring hierher zurück.“


Erneut machte sich der junge Mann auf den Weg. Der Schmuckhändler untersuchte den Ring im Licht einer Öllampe, besah ihn durch seine Lupe, wog ihn und sagte: „Mein Junge, richte deinem Meister aus, wenn er jetzt gleich verkaufen will, so kann ich ihm nur achtundfünfzig Goldstücke für seinen Ring geben.“


„Achtundfünfzig Goldstücke?“ rief der Junge aus. „Ja“, antwortete der Schmuckhändler. „Ich weiß, dass man mit etwas Geduld sicherlich bis zu siebzig Goldstücke dafür bekommen kann, aber wenn es ein Notverkauf ist…“ Aufgewühlt eilte der Junge in das Haus des Weisen zurück und erzählte ihm, was geschehen war.


„Setz dich“, sagte der Meister, nachdem er ihn angehört hatte. „Du bist wie dieser Ring: ein Schmuckstück, so kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann deinen wahren Wert nur ein Fachmann erkennen.


Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-beliebige Mensch um deinen Wert weiß?“ Und noch während er dies sagte, streifte er sich den Ring wieder über den kleinen Finger der linken Hand. >>


Fazit


Was denkst du? Berührt dich die Geschichte auch so?


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Hast du schon einmal Menschen in eine Schublade gesteckt und nie wieder rauskommen lassen oder dich von der Meinung anderer zu einer Person beeinflussen lassen?

Hast du dich selbst dabei erwischt, dass dir die Meinung anderer über dich so wichtig war und dabei deinen eigenen Wert vergessen oder daran gezweifelt hast? Sollten wir uns nicht von Vorurteilen freimachen?


Wie schön es ist, sich nicht der Meinung anderer hinzugeben und mit Offenheit und Liebe in die Welt zu gehen, zeigt sich erst, wenn wir den ersten Schritt in diese Richtung machen.


Wenn wir uns bereit machen, der Fachmann oder die Fachfrau zu sein und den wahren Wert zu erkennen.


Vielleicht ist es eine neue Kollegin, die alle für arrogant halten und du feststellst, dass Sie nur schüchtern und eigentlich total lustig ist.


Vielleicht ist es auch ein Mensch, über den alle eine Geschichte zu erzählen wissen, er nicht ins System zu passen scheint, du aber mit ihm lachen kannst, wie mit keinem Zweiten.


…und vielleicht wirst du eines Besseren belehrt, vielleicht aber auch alle Anderen. Wie willst du es herausfinden, wenn du es nicht probierst?


Liebe und Offenheit für dich.

Svenja







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