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Räubertöchter braucht das Land

Warum viele Eltern ihre Töchter zur Abhängigkeit erziehen und warum wir uns mehr Räubertöchter auf dieser Welt wünschen.


„Na Prinzessin? Du siehst wieder so süß aus in deinem pinken Kleid.“ Wie häufig wir Sätze wie diese hören, fällt uns erst auf, wenn wir darauf achten. Warum ist es eigentlich so, dass kleine Mädchen immer mit Prinzessinnen verglichen oder angesprochen werden? Wo sind denn die Ronjas, Maditas und Pippis dieser Welt? In einer Welt, in der Gleichberechtigung in aller Munde ist, stilisieren wir die nächste Generation von kleinen Mädchen und schaffen ein Bild, welches wir selbst eigentlich für überholt halten. Oder?


"Das habe ich noch nie vorher versucht, daher bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe." Pippi Langstumpf

PROFIL PRINZESSIN


Grundsätzlich ist es total niedlich, die eigene Tochter, Nichte oder allgemein kleine Mädchen mit Prinzessin anzusprechen. Etwas anderes ist es jedoch, die Tochter wie eine Prinzessin zu erziehen. Warum sehe ich das so kritisch?


Ich denke, dass die Wenigsten sich bewusst Gedanken darüber machen, was es bedeutet Prinzessin zu sein. Neben unserer Vorstellung von schönen Kleidern, Schmuck, Diademen, Pferden und einem großen Palast, hat das Leben einer Prinzessin nicht nur Vorteile. Verpflichtungen, Regeln und Einschränkungen gehören zum Alltag genauso dazu. Entscheidungen sind teils vorgegeben und eine eigenständige Entwicklung der kleinen Prinzessin ist somit nicht gegeben oder eben sehr eingeschränkt möglich.


WAS PRINZESSIN SEIN MIT ABHÄNGIGKEIT ZU TUN HAT


Sicherlich ist es nicht so, dass wir bewusst dazu aufrufen, Mädchen zur Abhängigkeit zu erziehen und doch geschieht es. Wieso ist das so? Meiner subjektiven Einschätzung nach, ist es das Unterbewusste, was die Abhängigkeit ins Spiel bringt.


Sobald wir beginnen, die Mädchen als Prinzessinnen zu deklarieren, heben wir sie auf ein Podest, ja einen kleinen Thron, und das Spiel beginnt. Es werden viele Wünsche erfüllt, die häufig einen materiellen Hintergrund haben. Viel wichtiger ist jedoch der Punkt, dass Entscheidungen abgenommen werden. Kinder - egal ob Junge oder Mädchen - sollten eigene Entscheidungen treffen können und dürfen. Kleine Prinzen werden nämlich genauso wie die kleinen Prinzessinnen in ein Raster gesteckt und finden manchmal nicht mehr den Weg heraus.


Sicher, die Entscheidungen der Kinder sollten nur bis zu einem bestimmten Punkt getroffen werden dürfen, denn es besteht ja die Fürsorgepflicht. Doch davon einmal abgesehen, tendieren wir dazu, eine Richtung vorzugeben, Situationen vielleicht vorschnell zu beenden, Entscheidungen abzunehmen oder auch die Sätze der Kinder zu beenden. Warum tun wir das?


Ein Kind erlebt total viele Dinge eben das erste Mal und benötigt Zeit, um darüber nachzudenken, eine Situation zu bewerten und Lösungen zu finden. So entstehen neue Verknüpfungen im Gehirn und das Kind lernt durch eigenes Handeln - mit unserer Unterstützung - wie es zukünftig reagieren kann.


Wir sind häufig so eingefahren, dass wir gar nicht mehr wahrnehmen, wie die Welt aus der Sicht unserer Kinder ist. Es ist alles neu, groß und aufregend. Nichts ist gewöhnlich. Im Gegensatz zu uns entdecken sie die Welt jeden Tag etwas mehr. Fehlt es uns an Verständnis oder vielleicht auch an Zeit, um den Kindern, den Raum des Entdeckens und Probierens zu geben? Wie geht es uns, wenn wir eine Sache das erste Mal machen? Sind wir nicht ebenso wie unsere Kinder?


Nehmen wir alles vorweg, so lernt das Kind also gar nicht selbstständig zu denken und verlässt sich auf uns als Erwachsene und Eltern. Unterbewusst geben wir den Prinzessinnen und Prinzen also den Weg vor und wundern uns später, warum so wenig Eigenständigkeit an den Tag gelegt wird. Wer als Kind wenig entscheiden darf und kann, wird es im Erwachsenenalter vermutlich nicht anders machen.



Mit zwei Räubertöchtern wird das Leben noch bunter



RÄUBERTÖCHTER SIND DIE ZUKUNFT


Viele von uns kennen sie noch aus Kindertagen. Madita, Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Alle samt Charaktere, welche sich nicht immer gesellschaftskonform verhalten und Grenzen überschreiten. Da wird das Haus geflutet und Bürsten an die Füße geschnallt, um den Boden zu reinigen oder mit einem Regenschirm vom Dach gesprungen, was einen Armbruch mit sich bringt.


Es geht mir nicht darum, dass alle Kinder von Dächern springen sollen.

Es soll den Impuls geben, dass es nicht schlimm ist, wenn Kinder auch mal Regeln brechen oder etwas ausprobieren, was sie sich selbstständig überlegt haben. Das fördert eigenständiges Denken und das Abwägen von richtig und falsch. Natürlich können wir auch alles vorgeben, doch was erreichen wir damit? Ist es nicht schön zu beobachten, wie Kinder die Welt wahrnehmen und zu Ergebnissen gelangen? Können wir nicht auch selbst etwas von den Kindern lernen?


Liebe für dich.

Svenja ❤️🤍


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